MARK ROTHKO – ES BEGANN GEGENSTÄNDLICH UND ENDETE ABSTRAKT

Mark Rothko. Abstrakte Kunst, das beschreibt den US-amerikanischen Künstler schon ziemlich gut. Er experimentierte mit Farben, setzte sie nebeneinander und ließ sie einfach ihre Wirkung entfalten. Der Betrachter interagiert mit dem Werk so durch seine Wahrnehmung. Rothko gehörte zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts und gehört daneben auch zu den interessantesten Persönlichkeiten.

Die Sammlung des Museum Ludwigs in Köln beherbergt eine Arbeit Rothkos und zeigt diese in ihrer Sammlungspräsentation. In Europa ist das Werk des Künstlers unterrepräsentiert, nur wenige Sammlungen besitzen Arbeiten von ihm. Das Museum Ludwig gehört zu den Wenigen. Das wird sich aufgrund des hohen Preises mit dem die Arbeiten auf dem Kunstmarkt gehandelt werden, wohl in naher Zukunft nicht ändern. Kurz bevor Rothko 1970 verstarb, Suizid in seinem Atelier, eröffnete das Tate Modern in London einen separaten und eigenen Mark Rothko Raum. In den USA gibt es mehrere Sammler, die das Werk erhalten. So wurde im Jahr 1971 die „Rothko Chapel“ in Houston gegründet und eröffnet. Die Kunstsammler John und Dominique de Ménil eröffneten die achteckige Kapelle. Dort werden insgesamt 14 Werke Rothkos gezeigt.

Farbe. Viele abstrakte Künstler erkundeten ihre Wirkung, Farbfelder wurden nebeneinander gesetzt und ließen für sich sprechen. Formen spielten manchmal auch eine Rolle. Doch nicht immer. Mark Rothko ist der Bekannteste und mittlerweile auch einer der teuersten Maler abstrakte Kunst. Doch er wehrte sich dagegen nur als Künstler mit abstrakten Arbeiten gesehen zu werden, zeitlebens.

„Ein Bild lebt in Gemeinschaft, indem es sich in den Augen des einfühlsamen Betrachters entfaltet und dadurch in ihm auflebt. Es stirbt, wenn diese Gemeinschaft fehlt. Deshalb ist es ein gewagtes und gefühlloses Unterfangen, ein Bild in die Welt zu entsenden.“[1]

Abstrakte Malerei ist ein weitreichender Begriff in der Kunstgeschichte und bezeichnet in der bildenden Kunst form- und gegenstandslose Kompositionen, die aus Farben, Linien, Kontrasten und geometrischen Formen zusammengesetzt werden. Seit etwa 1910 wurde die abstrakte Malerei kontinuierlich weiterentwickelt. Künstlerisches Schaffen sollte nicht mehr die real existierende Welt darstellen und stilgebunden sein. Darstellungsziel war es nun die eigene Bildwirklichkeit und Empfindungen wiederzugeben und sich von der äußeren Erscheinung zu lösen, also die vollständige Abkehr von der Naturnachahmung und Realität. Aufgrund der Abstrahierung und der Ablehnung eines Inhaltes forderten die Maler den Betrachter zu einer neuen Wahrnehmungs- und Denkleistung auf.

Mark Rothko, MoMA, New York

Die Abstrakte Malerei ist auf zwei Richtungen in ihrer Entwicklung zurückzuführen. Zum einen wurden bereits die Expressionisten, allen voran Wassily Kandinsky, der in seinem Spätwerk fast komplett auf erkennbare Formen und Figuren verzichtete, immer abstrakter und bevorzugten die freie Malweise. Zum anderen entwickelte sich fast parallel zum Expressionismus der Kubismus vor allem unter Pablo Picasso und Georges Braque, der Gegenstände in ihre geometrischen Formen zerlegte. Hieraus schöpften Künstler wie Kasimir Malerisch oder Piet Mondrian ihre Inspiration und entwickelten die sogenannte konkrete Kunst, eine Form der abstrakten Malerei. Einige andere Künstler fanden Anregungen und Ideen zudem in der „primitiven“ Kunst der Naturvölker oder der Ornamentik asiatischer Völker, die in den neu geschaffenen Völkerkundemuseen ausgestellt wurden. Auch Philosophen wie Friedrich Nietzsche, die Musik Richard Wagners oder die Dichtkunst Charles Baudelaires gaben weitreichende Impulse.

„Mark Rothko steht ohne Zweifel in der Tradition von Metaphysikern der Malerei wie Mondrian, Klee und Kandinsky, für die Farbe der Schlüssel zur Welt des Geistes war.“ (Diane Wildmann, 1978 in Boris von Brauchitsch „Das 20. Jahrhundert – Meisterwerke Jahr für Jahr“, S.114)

Der abstrakte Expressionismus, dem Rothko zugeordnet wurde, entwickelte sich besonders ihn den USA zu einer der führenden Kunststile der Nachkriegsjahre. In dieser Zeit wurde die USA nicht nur führend in Politik und Wirtschaft, nein, auch in der Kunst. New York löste die europäischen Kunstmetropolen ab und nahm einige Zeit eine Monopolstellung ein.

Mark Rothko trug zu der wichtigen Entwicklung abstrakter Malerei bei und verhalf zur nächsten Stufe. „Bilder müssen geheimnisvoll sein.“[2]  Er gab eine neue Richtung vor und beeinflusste die sogenannte Farbfeldmalerei entscheidend.

1903 in Lettland geboren, wanderte seine Familie später als er 10 Jahre alt war in die USA aus, wo er dann aufwuchs. Er studierte in Yale und an der New School of Design in New York. Seine erste Einzelausstellung hatte Rothko 30 Jahre nach seiner Geburt, 1933, im Portland Museum of Art. Im Jahr 1938 wurde er dann amerikanischer Staatsbürger und änderte schließlich 1940 seinen Namen in Rothko. Mit 20 Jahren entdeckte er die Kunst, genauer die Malerei, für sich. „Das war mein Leben“,[3]sagte Rothko einst.

Mark Rothko, Kunsthistorisches Museum, Wien

Künstler des Surrealismus wie Max Ernst oder Yves Tanguy beeinflussten Rothko in frühen Jahren maßgeblich. Auch der französische Maler Henri Matisse war ein Vorbild. Rothko schuf 1953 sogar ein Gemälde mit dem Titel “Homage to Matisse”. Ihr Einsatz von Farbe und deren Wirkung auf die Psyche des Betrachters waren Wegweiser, waren Themen, die Rothko interessierten. Er begann zunächst figurativ, surrealistisch und experimentierte dann mit abstrakten Formen und reinen Farbkonstellationen. Seine frühen vom Surrealismus geprägten Werke trugen eine dramatische Handschrift. In ihnen verarbeitete er die Schrecken des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts. Diese Bilder stellten Krieg, Tod und Grausamkeiten dar. Es war ein ganz anderer Rothko als der, der uns heute so bekannt ist. Er konnte in Anbetracht dieser unsagbar schrecklichen Zeit, nicht anders als die Schrecken auch in seiner Malerei umzusetzen. Verarbeitet ins mystischer Szenerie und mit schnellem Strich. Er selbst war Jude, und dazu ein Flüchtling, seine Familie floh vor dem Judenhass und der Verfolgung seines Heimatlandes. Wahrscheinlich fühlte er sich erinnert und auch verpflichtet, zumindest in der Kunst etwas aufzuarbeiten.

Sein Freund und Künstlerkollege Barnett Newman sagte: „Wir spürten die moralische Krise einer Welt, die ein Schlachtfeld war. Es war unmöglich, so zu zeichnen wie früher – Blumen, liegende Akte und Cello spielende Musiker.“[4]

In den 1950er Jahren kam er dann zu seinen meist großformatigen Leinwänden, die monochrome Farbfelder, die unter- und nebeneinander angeordnet sind, zeigen. An einigen Stellen vermischt sich die Farbe. Doch mit der Wahrnehmung verschwimmen die Grenzen zwischen den Farbflächen. Aufgelöste Gegenständlichkeit macht sich breit.

Rothko empfahl eine düstere Beleuchtung und eine Betrachtung aus 45 cm Entfernung, um die Wirkung und das Gefühl zu erzeugen, er will etwas transportieren, dass außerhalb der äußerlichen Erscheinung liegt und erfahrbar wird in der Reduktion auf Farbe und deren Verschleierungen. Es sind räumliche Vibrationen aus Farbe.

 „Ich bin kein Abstraktionist. Mich interessiert nicht das Verhältnis von Farbe und Form oder irgend so etwas. Mich interessieren nur die grundlegenden menschlichen Emotionen: Tragödie, Ekstase, Schicksal.“[5]

Er versuchte in der Farbe seine Gefühle zu verarbeiten, seinen Widerstreit. Und in Betrachtung seines grausamen Frühwerks ist das abstrakte Spätwerk eine unumgängliche Folge gewesen. Alle Grausamkeit des Krieges hatte er dargestellt. Der Krieg war zu Ende, was übrig blieb, war das Gefühl. Alles war gesagt. Diese konnte nur in Farbe übersetzt werden. Eine gewisse Zeit wurde seine Farbgebung heller und leuchtender.

Rothko versuchte durch die Proportionen, die Anordnung und die Wahl der Farben einen individuellen Bildausdruck zu vermitteln. Dies verstand er als Bedeutungsinhalt.

„Wenn wir nach Tätigkeiten suchen, die sich mit dem Schaffen des Künstlers vergleichen lassen, bieten sich eigentlich nur zwei geistige Berufe an: der des Dichters und jener des Philosophen, denn diese beiden verfolgen ähnliche Ziele wie der Künstler. Wie der bildende Künstler wollen auch diese beiden nur eines: ihr Verständnis der Wirklichkeit so konkret wie möglich zum Ausdruck bringen.“[6]

Erst in der Wahrnehmung des Betrachters werden die Farbleinwände zu gefühlten Bildern. Der Raum um die Arbeiten herum wirkt ebenso mit und war für Rothko ein Bestandteil, der ihm wichtig war.

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